Update Deutscher Suchtkongress 2021

Der Deutsche Suchtkongress 2021 wird aufgrund der Pandemiesituation unter Federführung der DG-Sucht rein virtuell vom 13.-15.09. stattfinden. Noch bis zum 15.05. besteht die Möglichkeit, auf der Kongresswebsite www.deutschersuchtkongress.de abstracts für Vorträge einzureichen. Es können sowohl wissenschaftliche als auch praxisorientierte Symposiumsbeiträge eingereicht werden. Die Einreichung von Posterbeiträge ist bis zum 15.06. möglich. Die erforderlichen Informationen werden sukzessive auf der Kongresswebsite aktualisiert.

Dringender Appell: Aufrechterhaltung der ambulanten und stationären Suchtkrankenversorgung

Gemeinsame Presseerklärung von Fachgesellschaften und Verbänden der Suchtkrankenbehandlung

In der bedrohlichen Situation der aktuellen SARS-CoV-2 Pandemie sind alle Beteiligten des Gesundheitssystems gefordert zusammenzustehen und die Krise gemeinsam zu bewältigen. Die Kapazitätserweiterung für die Versorgung schwerst an Covid 19 Erkrankter hat dabei derzeit höchste Priorität. Die Einrichtungen der Suchtkrankenversorgung mit ihren Rehabilitationskliniken sind selbstverständlich bereit ihren Beitrag hierzu zu leisten. Aber auch die Behandlung und Versorgung aller anderen Erkrankten muss, soweit es geht, weiterhin durchführbar sein.

Suchtkranke, die zumeist an weiteren, teils schweren psychischen und somatischen Erkrankungen leiden, sind dabei in der derzeitigen Notsituation besonderen Risiken ausgesetzt. Sie sind auf ein funktionierendes Suchtkrankenversorgungsnetz angewiesen.

Aufnahmemöglichkeiten, insbesondere Notaufnahmen zur Entzugsbehandlung, qualifizierte Entzugsbehandlung, die Basisversorgung in den Suchtberatungsstellen und den psychiatrischen Institutsambulanzen, die Entwöhnungsbehandlungen sowie die ambulante und stationäre Vergabe von Substitutionsmitteln müssen auch in der jetzigen Pandemiekrise kontinuierlich zur Suchtkrankenbehandlung zur Verfügung stehen.

Schon jetzt wächst durch die weitgehende Schließung oder Angebotsreduktion der Suchtberatungsstellen und eingeschränkte Entgiftungs- und Entzugsmöglichkeiten sowie reduzierten und aufgehobenen Aufnahmemöglichkeiten in Rehabilitationskliniken der Druck auf suchtkranke Menschen und auf die Einrichtungen der Suchtkrankenbehandlung, die erforderliche Versorgung sicher zu stellen.

Die Entwöhnungsbehandlung findet in Deutschland überwiegend im Rahmen der medizinischen Rehabilitation in dazu spezialisierten Abteilungen oder Rehabilitationskliniken statt. Sie stellt die eigentliche Behandlung der Grunderkrankung dar und ist unverzichtbar. Hierzu gehört auch die Mitbehandlung oft schwerer psychischer und somatischer Begleit- und Folgeerkrankungen.  Ein nicht unerheblicher Anteil der Suchtkranken auch in Rehabilitationskliniken ist wohnungslos, sozial entwurzelt oder lebt in prekären Wohnverhältnissen.

Für eine Versorgung akutmedizinisch-somatisch Erkrankter fehlt den Entwöhnungskliniken und Abteilungen die medizinische Infrastruktur. Das fachkompetente Personal ist nicht in ausreichender Zahl vorhanden. Ebenso fehlt es an erforderlicher Schutzausrüstung und medizintechnischer Ausstattung.

Die Schließung von Entwöhnungskliniken und Abteilungen, wie sie von den zuständigen Behörden in einigen Regionen Deutschlands bekannt gegeben wurde, ist aus unserer fachlichen Sicht nicht geeignet zur Eindämmung der Pandemie und zur Schaffung von qualifizierten Ersatzkapazitäten für die stationäre Versorgung akutmedizinisch Erkrankter.

Hingegen entlastet die originäre Arbeit mit den schwer Suchtkranken die Gesellschaft und akut-medizinische Einrichtungen. Viele der in unseren Einrichtungen behandelten Patientinnen und Patienten haben krankheitsbedingt unbehandelt erhebliche Schwierigkeiten, sich zu Hause selbst zu versorgen. Bei vorzeitiger Entlassung drohen Rückfall und hohe Eigengefährdung, verbunden mit der verminderten Fähigkeit, Grenzen und Regeln einzuhalten, auch Fremdgefährdungen sind nicht auszuschließen. Bei Zusammenbruch der Suchtkrankenversorgung droht eine zusätzliche Belastung des akutmedizinischen somatischen und psychiatrischen Versorgungssystems. Der Abbau der Suchtkrankenversorgung ist somit nicht geeignet, die Pandemie einzudämmen, vielmehr führt er zu weiteren Risiken und birgt die Gefahr, den gesundheitlichen Schaden für die Betroffenen, ihre Angehörigen und die Gesellschaft zu erhöhen.

Wir appellieren dringend an die politisch Verantwortlichen, in ihren Überlegungen zur Schaffung von Ersatzversorgungskapazitäten für Akutmedizin differenziert vorzugehen und eine ausreichende Versorgung aller Suchtkranker sicher zu stellen.

 

Dachverband der Suchtfachgesellschaften (DSG)

Deutscher Bundesverband von Chefärztinnen und Chefärzten von Suchtfachkliniken

Bundesverband für stationäre Suchtkrankenhilfe (buss) e.V.

Deutsche Gesellschaft für Suchtforschung und Suchttherapie (DG-Sucht) e.V.

Deutsche Gesellschaft für Suchtmedizin (DGS)e.V.

Deutsche Gesellschaft für Suchtpsychologie (DG SPS) e.V.

Deutsche Suchtmedizinische Gesellschaft (DSMG) e.V.

Fachverband Sucht e.V.

Arbeitskreis Leitende Psycholog*innen 2020

Am 18. November traf sich der jährliche Arbeitskreis Leitende Psycholog*innen der dg sps. Als Tagungsort war die MEDIAN Klinik Tönisstein in Bad Neuenahr-Ahrweiler vorgesehen, aber aufgrund der aktuellen Einschränkungen rund um die Covid-19-Pandemie und der Maßnahmen zum Infektionsschutz in allen Einrichtungen wurde die Veranstaltung vollständig als Videokonferenz durchgeführt. Auf das gemeinsame Abendessen am Vorabend musste man so verzichten, aber auf der anderen Seite hatte der Arbeitskreis so einige Teilnehmer, die in Präsenz sicher nicht angereist wären (die Spannweite reichte von Lübeck bis Wien).

Am Vormittag hatte man Dr. Andrea Benecke eingeladen, Vizepräsidentin der Landespsychotherapeutenkammer Rheinland-Pfalz und der Bundespsychotherapeutenkammer und in diesen Funktionen mitbeteiligt an der Erarbeitung der Musterweiterbildungsordnung (MWBO) für die reformierte Psychotherapie-Ausbildung. Frau Dr. Benecke stellt den bisherigen Stand der MWBO (direkt nach dem Deutschen Psychotherapeutentag einige Tage zuvor) dar und ging auf die Fragen der Teilnehmenden ein. Viele der teilnehmenden Leitenden Psycholog*innen zeigten sich interessiert an den Bedingungen einer zukünftigen Weiterbildungsstätte bzw. eines Weiterbildungsbefugten. Von Seiten der Teilnehmenden und der Deutschen Gesellschaft für Suchtpsychologie wurde einhellig der Standpunkt vertreten, dass die Einrichtungen zur stationären Rehabilitation von Abhängigkeitserkrankungen und deren Leitende Psychologen grundsätzlich geeignet sind als Weiterbildungsstätten bzw. Weiterbildungsbefugte. Die MWBO wird noch mehrere Gremienschleifen durchlaufen und auf dem Deutschen Psychotherapeutentag im April verabschiedet werden. Aus dem Kreis der Teilnehmenden ging ein großes Danke schön an Frau Dr. Benecke für ihren fachkundigen Überblick.

Am Nachmittag moderierte Oliver Kreh, Leitender Psychologe der MEDIAN Klinik Tönisstein und Vizepräsident der dg sps, eine Diskussion der Teilnehmenden zu aktuellen Themen. Hier wurden vor allem die Erfahrungen aus den unterschiedlichen Einrichtungen miteinander verglichen, wie sich die therapeutische Arbeit unter den Bedingungen des Infektionsschutzes verändert hat.

Für das Jahr 2021 soll das nächste Treffen des Arbeitskreises leitende Psycholog*innen am Mittwoch, dem 17. November 2021 in der MEDIAN Klinik Odenwald auf Einladung des Leitenden Psychologen Christoph Hennch stattfinden. Sollten die Pandemie-bedingten Einschränkungen bis dahin andauern, würde die Veranstaltung erneut als Videokonferenz durchgeführt.

Psycholog*innen mit Leitungsfunktionen im Bereich Abhängigkeitserkrankungen, die Interesse an diesem Arbeitskreis haben und bisher nicht im Verteiler waren, können sich gerne an Oliver Kreh wenden: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!


Für den Kurzbericht:

MEDIAN Klinik Tönisstein/Dipl. Psych. Oliver Kreh