Nachruf auf Peter Missel

Peter Missel

Psychologe und Psychologischer Psychotherapeut

1952-2019

1. Vorsitzender dg sps 2015-2019

 

Peter Missel starb am 20.07.2019 nach längerer und schwerer Krankheit. Bis zuletzt hofften seine Familie und seine Freunde und Kollegen bei jedem Anzeichen einer möglichen Besserung und letztlich vergebens. Mit seinem Tod trifft die Suchthilfe und Behandlungsszene in Deutschland ein herber Verlust – Peter Missel war über sein fast 40jähriges Wirken als Leitender Psychologe und Psychotherapeut in der heutigen MEDIAN Kliniken Daun (Am Rosenberg, Thommener Höhe und Altburg) hinaus im besten Sinne als Lobbyist und Gestalter einer fachlich kompetenten, menschlich respektvollen und empirisch fundierten Suchtbehandlung engagiert und wirksam.

Weiterlesen

Dringender Appell: Aufrechterhaltung der ambulanten und stationären Suchtkrankenversorgung

Gemeinsame Presseerklärung von Fachgesellschaften und Verbänden der Suchtkrankenbehandlung

In der bedrohlichen Situation der aktuellen SARS-CoV-2 Pandemie sind alle Beteiligten des Gesundheitssystems gefordert zusammenzustehen und die Krise gemeinsam zu bewältigen. Die Kapazitätserweiterung für die Versorgung schwerst an Covid 19 Erkrankter hat dabei derzeit höchste Priorität. Die Einrichtungen der Suchtkrankenversorgung mit ihren Rehabilitationskliniken sind selbstverständlich bereit ihren Beitrag hierzu zu leisten. Aber auch die Behandlung und Versorgung aller anderen Erkrankten muss, soweit es geht, weiterhin durchführbar sein.

Suchtkranke, die zumeist an weiteren, teils schweren psychischen und somatischen Erkrankungen leiden, sind dabei in der derzeitigen Notsituation besonderen Risiken ausgesetzt. Sie sind auf ein funktionierendes Suchtkrankenversorgungsnetz angewiesen.

Aufnahmemöglichkeiten, insbesondere Notaufnahmen zur Entzugsbehandlung, qualifizierte Entzugsbehandlung, die Basisversorgung in den Suchtberatungsstellen und den psychiatrischen Institutsambulanzen, die Entwöhnungsbehandlungen sowie die ambulante und stationäre Vergabe von Substitutionsmitteln müssen auch in der jetzigen Pandemiekrise kontinuierlich zur Suchtkrankenbehandlung zur Verfügung stehen.

Schon jetzt wächst durch die weitgehende Schließung oder Angebotsreduktion der Suchtberatungsstellen und eingeschränkte Entgiftungs- und Entzugsmöglichkeiten sowie reduzierten und aufgehobenen Aufnahmemöglichkeiten in Rehabilitationskliniken der Druck auf suchtkranke Menschen und auf die Einrichtungen der Suchtkrankenbehandlung, die erforderliche Versorgung sicher zu stellen.

Die Entwöhnungsbehandlung findet in Deutschland überwiegend im Rahmen der medizinischen Rehabilitation in dazu spezialisierten Abteilungen oder Rehabilitationskliniken statt. Sie stellt die eigentliche Behandlung der Grunderkrankung dar und ist unverzichtbar. Hierzu gehört auch die Mitbehandlung oft schwerer psychischer und somatischer Begleit- und Folgeerkrankungen.  Ein nicht unerheblicher Anteil der Suchtkranken auch in Rehabilitationskliniken ist wohnungslos, sozial entwurzelt oder lebt in prekären Wohnverhältnissen.

Für eine Versorgung akutmedizinisch-somatisch Erkrankter fehlt den Entwöhnungskliniken und Abteilungen die medizinische Infrastruktur. Das fachkompetente Personal ist nicht in ausreichender Zahl vorhanden. Ebenso fehlt es an erforderlicher Schutzausrüstung und medizintechnischer Ausstattung.

Die Schließung von Entwöhnungskliniken und Abteilungen, wie sie von den zuständigen Behörden in einigen Regionen Deutschlands bekannt gegeben wurde, ist aus unserer fachlichen Sicht nicht geeignet zur Eindämmung der Pandemie und zur Schaffung von qualifizierten Ersatzkapazitäten für die stationäre Versorgung akutmedizinisch Erkrankter.

Hingegen entlastet die originäre Arbeit mit den schwer Suchtkranken die Gesellschaft und akut-medizinische Einrichtungen. Viele der in unseren Einrichtungen behandelten Patientinnen und Patienten haben krankheitsbedingt unbehandelt erhebliche Schwierigkeiten, sich zu Hause selbst zu versorgen. Bei vorzeitiger Entlassung drohen Rückfall und hohe Eigengefährdung, verbunden mit der verminderten Fähigkeit, Grenzen und Regeln einzuhalten, auch Fremdgefährdungen sind nicht auszuschließen. Bei Zusammenbruch der Suchtkrankenversorgung droht eine zusätzliche Belastung des akutmedizinischen somatischen und psychiatrischen Versorgungssystems. Der Abbau der Suchtkrankenversorgung ist somit nicht geeignet, die Pandemie einzudämmen, vielmehr führt er zu weiteren Risiken und birgt die Gefahr, den gesundheitlichen Schaden für die Betroffenen, ihre Angehörigen und die Gesellschaft zu erhöhen.

Wir appellieren dringend an die politisch Verantwortlichen, in ihren Überlegungen zur Schaffung von Ersatzversorgungskapazitäten für Akutmedizin differenziert vorzugehen und eine ausreichende Versorgung aller Suchtkranker sicher zu stellen.

 

Dachverband der Suchtfachgesellschaften (DSG)

Deutscher Bundesverband von Chefärztinnen und Chefärzten von Suchtfachkliniken

Bundesverband für stationäre Suchtkrankenhilfe (buss) e.V.

Deutsche Gesellschaft für Suchtforschung und Suchttherapie (DG-Sucht) e.V.

Deutsche Gesellschaft für Suchtmedizin (DGS)e.V.

Deutsche Gesellschaft für Suchtpsychologie (DG SPS) e.V.

Deutsche Suchtmedizinische Gesellschaft (DSMG) e.V.

Fachverband Sucht e.V.

Resolution zur ambulanten Psychotherapie bei alkoholbezogenen Störungen

Bei dem Treffen der Psychotherapeutenverbände GK II am 05.05.2018 in Würzburg wurde folgende von der Deutschen Gesellschaft für Suchtpsychologie (dg sps) eingebrachte „Resolution zur ambulanten Psychotherapie bei alkoholbezogenen Störungen“ in der Kurzfassung mit einer kleinen Änderung einstimmig verabschiedet. Sie lautet in der verabschiedeten Form:

Resolution zur ambulanten Psychotherapie bei alkoholbezogenen Störungen

Ambulante Psychotherapie soll Patienten mit alkoholbezogenen Störungen (gesundheitlich riskanter Konsum, schädlicher Konsum, Abhängigkeitssyndrom) im Rahmen der Psychotherapie-Richtlinien häufiger angeboten werden

Früherkennung und Frühintervention bei alkoholbezogenen Störungen sind wichtige Anwendungsfelder ambulanter Psychotherapie auch im Kontext der Behandlung begleitender anderer psychischer Störungen. 

Die psychotherapeutische Behandlung ist auch bei Vorliegen eines Abhängigkeitssyndroms bei ausreichender Abstinenzfähigkeit (z.B. nach einer Entzugs- oder Entwöhnungsbehandlung) ein weiteres wichtiges Anwendungsfeld zur Aufrechterhaltung der Abstinenz und zur Behandlung komorbider psychischer Störungen.

Die im GKII zusammengeschlossenen psychotherapeutischen Fachgesellschaften unterstützen das Anliegen der Deutschen Gesellschaft für Suchtpsychologie, die Behandlung von Patienten mit alkoholbezogenen Störungen in psychotherapeutischen Praxen zu fördern.

Aus Sicht der dg sps stellt die Resolution einen wichtigen Schritt zur Verankerung der Behandlung von Patienten mit alkoholbezogenen Störungen in der Profession selbst bzw. in der ambulanten Richtlinien-Psychotherapie dar.

Arbeitskreis Leitende Psycholog*innen 2019

Am 20.11.2019 traf sich zum inzwischen 28. Mal der Arbeitskreis der Leitenden Psychologinnen und Psychologen der Deutschen Gesellschaft für Suchtpsychologie. Gastgeber war die salus Klinik Friedrichsdorf, der Leitende Psychologe Dr. Ahmad Khatib begrüßte die Fachvertreter*innen aus ganz Deutschland zu diesem Fachaustausch.

Fr. Dr. Ulrike Worringen, Leitende Psychologin der Rentenversicherung Bund führte in einem informativen Impulsvortrag in das Thema des Tages „Psychotherapie in der medizinischen Rehabilitation bei Abhängigkeitserkrankungen“ ein. Dabei gab sie einen Überblick über die Organisationsstruktur der Deutschen Rentenversicherung und die hier konsentierten Reha-Therapiestandards. In der regen Diskussion wurden auch die Perspektiven für die Leistungserbringung und die Ausbildungsbedingungen unter der neuen gesetzlichen Regelung der Aus- und Weiterbildung für Psychotherapeut*innen ab 2020 angesprochen. Auf großes Interesse stießen die Informationen von Fr. Dr. Worringen zu den von der Deutschen Rentenversicherung angebotenen sozialmedizinischen Fortbildungen für (Psycho-)Therapeut*innen, die unterschiedliche Aspekte von der sozialmedizinischen Leistungsbeurteilung bis zur Sensibilisierung von (Psycho-)Therapeut*innen für Suchtphänomene in der somatischen und psychosomatischen medizinischen Rehabilitation umfassen.

Am Nachmittag diskutierte der Arbeitskreis zu alltagsrelevanten fachlichen und organisatorischen Themen in der medizinischen Rehabilitation bei Abhängigkeitsstörungen und Perspektiven der Weiterentwicklung in diesem Bereich. Das nächste Arbeitskreistreffen wird am 18.11.2020 in der MEDIAN Klinik Tönisstein stattfinden (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!), zu dem Mitglieder wie auch Nichtmitglieder der Deutschen Gesellschaft für Suchtpsychologie willkommen sind, die in leitenden Funktionen von Suchteinrichtungen sind oder sich darauf vorbereiten.

 

Für den Kurzbericht:

MEDIAN Klinik Wied/Dr. Wilma Funke